Das Google-Unternehmensprofil entscheidet bei lokalen Suchen oft darüber, ob ein Betrieb angerufen wird oder gar nicht erst auftaucht. Viele kleine Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe sind fachlich stark, haben eine ordentliche Website und werden trotzdem kaum gefunden. Der Grund liegt selten in der Website selbst, sondern in einem lückenhaften Profil, widersprüchlichen Daten in Verzeichnissen und zu wenigen Bewertungen.
Darüber haben wir mit Johann Benning gesprochen. Er ist seit 1992 selbstständig, hat als Schriftsetzer angefangen und arbeitet heute mit bxm benning crossmedia in Neuss als ausgelagerte Werbeabteilung für inhabergeführte Betriebe. Im Interview erklärt er, woran Inhaber ein Sichtbarkeitsproblem erkennen, was im Profil zwingend gepflegt sein muss, wie man ohne Aufdringlichkeit an Bewertungen kommt, welche Rolle die eigene Website noch spielt, was KI-Suchen verändern und womit man mit zwei Stunden im Monat anfängt.
Sichtbarkeitsproblem erkennen: Was im Google-Unternehmensprofil zählt
Viele kleine Betriebe haben eine Website und trotzdem findet sie bei Google kaum jemand. Was ist aus deiner Erfahrung die häufigste Ursache dafür, und woran merkt ein Inhaber selbst, dass er ein Sichtbarkeitsproblem hat?
Bei lokalen Suchen steht die Karte über den Websites. Wer „Maler Neuss“ sucht, sieht zuerst drei Betriebe aus dem Google-Unternehmensprofil. Deshalb setze ich dort an und nicht bei der Website. In meiner Erhebung von 1.903 Betrieben in Mönchengladbach hatten 1.309 Lücken im Profil oder auf der Website.
Ob man selbst betroffen ist, prüft jeder Inhaber in zwei Minuten: Beruf und Ort googeln und auf die Karte schauen. Stehen dort drei andere, ist das die Antwort.
Das Google-Unternehmensprofil gilt als wichtigster Hebel für lokale Betriebe. Was muss dort zwingend gepflegt sein, was bringt am meisten, und welche Fehler siehst du immer wieder?
Zwingend sind Hauptkategorie, Leistungen in Kundensprache, aktuelle Öffnungszeiten und echte Fotos. Am meisten bringen danach Bewertungen und Regelmäßigkeit.
Der häufigste Fehler sind abweichende Daten. Bei einer Heilpraktikerin fand ich vier verschiedene Telefonnummern in den Verzeichnissen.
Bewertungen und Website: Was Kunden vor dem Anruf sehen
Bewertungen entscheiden oft, ob jemand anruft oder weiterklickt. Wie kommt ein Kleinbetrieb systematisch an mehr Bewertungen, ohne aufdringlich zu wirken, und wie sollte er auf eine negative Bewertung reagieren?
Durch Fragen, direkt nach dem Auftrag, mit einem Link per Mail oder WhatsApp. Ein Versicherungsmakler im Rheinland hatte 6 Bewertungen, die drei Makler vor ihm 96 bis 109. Er hatte nie gefragt.
Auf Kritik antwortet man sachlich und ohne sich zu verteidigen, denn die Antwort lesen später hundert andere.
Braucht ein kleiner Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieb heute überhaupt noch eine eigene Website, wenn das Google-Profil gut gepflegt ist? Und wenn ja, was muss sie für die lokale Suche leisten?
Ja. Das Google-Profil ist gemietet, die Website gehört dem Betrieb. Für die lokale Suche braucht sie eine Seite je Leistung mit Ort, dieselben Daten wie bei Google, eine Telefonnummer zum Antippen und echte Fotos.
Wie Betriebe mit mehreren Niederlassungen dabei vorgehen, zeigt unser Beitrag zu Local SEO für Dienstleister mit mehreren Standorten.
KI-Suche und knappe Zeit: Wo Inhaber anfangen sollten
Immer mehr Menschen suchen über KI-Antworten bei Google oder über ChatGPT. Was ändert sich dadurch für die Sichtbarkeit von Kleinbetrieben, und was sollten sie jetzt schon tun, um dort genannt zu werden?
Statt zehn Ergebnissen nennt die KI zwei, drei Betriebe. Sie fasst zusammen, was sie findet: Profil, Bewertungen, Verzeichnisse, Website.
Wer überall mit denselben Daten steht und auf der Website die Fragen seiner Kunden in ganzen Sätzen beantwortet, hat die besseren Karten. Garantieren kann das niemand.
Ein Inhaber hat realistisch zwei Stunden im Monat für das Thema. Womit sollte er anfangen, was bringt den schnellsten Effekt, und was kann er getrost weglassen?
Anfangen mit dem Google-Profil und den drei wichtigsten Verzeichnissen. Den schnellsten Effekt bringen korrigierte Daten und die ersten Bitten um Bewertungen.
Danach reichen 30 Minuten pro Woche: ein echtes Foto, zwei Bitten um Bewertung, jede Bewertung beantworten. Weglassen kann er alles, was er nicht durchhält. Sichtbarkeit entsteht durch Regelmäßigkeit. Steter Tropfen höhlt den Stein.
Sichtbarkeit ist eine Frage der Pflege, nicht des Budgets
Das Gespräch mit Johann Benning zeigt, wie nah die Lösung oft liegt. Wer bei der Suche nach Beruf und Ort nicht auf der Karte auftaucht, verliert Anfragen, bevor überhaupt jemand die Website gesehen hat. Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, einheitliche Daten in allen Verzeichnissen und eine Gewohnheit, nach jedem Auftrag um eine Bewertung zu bitten, sind keine Frage von Agenturbudgets, sondern von Disziplin.
Bemerkenswert ist, dass sich die Anforderungen durch KI-Suchen nicht grundlegend ändern, sondern verschärfen. Wenn statt zehn Treffern nur noch zwei oder drei Betriebe genannt werden, zählt umso mehr, ob die Angaben überall stimmen und ob die Website die Fragen der Kunden klar beantwortet. Google selbst nennt Relevanz, Entfernung und Bekanntheit als Faktoren für das lokale Ranking. Für Inhaber mit wenig Zeit ist das eine gute Nachricht: Wer regelmäßig dranbleibt, hat gegenüber Wettbewerbern, die ihr Profil einmal anlegen und dann vergessen, einen echten Vorsprung.
Häufige Fragen zum Google-Unternehmensprofil
Wie prüfe ich, ob mein Betrieb lokal sichtbar ist?
Suchen Sie bei Google nach Ihrem Beruf und Ihrem Ort, zum Beispiel „Maler Neuss“, und schauen Sie auf die Karte. Erscheinen dort drei andere Betriebe, besteht Handlungsbedarf beim Google-Unternehmensprofil.
Welche Angaben im Google-Unternehmensprofil sind Pflicht?
Mindestens die passende Hauptkategorie, Leistungen in der Sprache der Kunden, aktuelle Öffnungszeiten und echte Fotos. Telefonnummer, Adresse und Name sollten zudem in allen Verzeichnissen identisch sein.
Wie bitte ich Kunden um eine Google-Bewertung?
Am besten direkt nach Abschluss des Auftrags, persönlich und mit einem direkten Bewertungslink per E-Mail oder WhatsApp. Wer nie fragt, bekommt auch bei zufriedenen Kunden kaum Bewertungen.
Ersetzt ein gutes Google-Profil die eigene Website?
Nein. Das Profil liegt auf einer fremden Plattform, die Website gehört dem Betrieb. Sie sollte je Leistung eine eigene Seite mit Ortsbezug haben und dieselben Kontaktdaten zeigen wie das Profil.









