Social Media Pionier: 4 ehrliche Wahrheiten aus der Praxis

Als Social Media Pionier hat Joe Rankl das Marketing auf Facebook von der ersten Stunde an mitgeprägt, lange bevor Unternehmen dem Kanal überhaupt vertrauten. Im Interview verrät er, welche Strategien von damals heute noch tragen, wo Unternehmen 2026 die größten Denkfehler machen und warum er selbst vermutlich nicht mehr auf Social Media setzen würde.

Vom belächelten Trend zum ernsthaften Marketingkanal

Wie erkennt man früh, dass aus einer belächelten Spielerei ein ernsthafter Marketingkanal wird? Joe Rankl vergleicht die Anfangsjahre von Facebook mit dem Internet per 56K-Modem und mit der Elektromobilität heute: Am Anfang stehen Zweifel, irgendwann kippt die Entwicklung ins Positive, der sogenannte Tipping Point.

„Bei Facebook und später allen Social Media war das genauso. Klar hakt es am Anfang noch an jeder Ecke, aber die Chancen und Möglichkeiten waren sofort sichtbar. Als Unternehmen oder auch Institution, hattest du plötzlich eigene Kommunikations-Kanäle mit deinen eigenen authentischen Inhalten und das dazu (weitgehend) kostenlos.“

Aus seiner Sicht war der entscheidende Bruch die direkte Kommunikation: Politiker und andere Persönlichkeiten waren nicht mehr auf die Presse angewiesen, sondern konnten schwarz auf weiß selbst senden. Konservative Medien verloren dadurch an Macht und Einfluss.

Von Tansania bis zum Rathaus: Was die Praxis lehrt

Ministerien, Bürgermeister-Wahlkämpfe, Tourismusunternehmen in Tansania: Joe Rankls Kundenliste liest sich breit. Seine zentrale Erkenntnis daraus: Die Mechanismen von Social Media funktionieren branchenübergreifend gleich, aber nicht jede Taktik ergibt in jeder Branche Sinn. Entscheidend ist immer die passende Strategie.

Sein Beispiel aus Tansania: Safari-Gäste kommen meist nur einmal, klassische Follower-Reichweite bringt einem Anbieter dort deshalb kaum etwas.

„Viel wichtiger sind UGC-Beiträge. Also Fotos und Berichte von den Touristen selbst, die sie so oft wie möglich posten, um Freunde und Freundesfreunde über den wundervollen Urlaub und die erlebten Abenteuer zu informieren und zu begeistern.“

Konkret setzte er dort auf Selfie-Points, konsequentes Taggen von Gästen sowie Erlebnisberichte und Interviews mit den Reisenden selbst.

Diese vier Prinzipien nutzt der Social Media Pionier bis heute

Auf die Frage, welche Strategien von vor 15 Jahren überraschenderweise immer noch funktionieren, nennt Joe Rankl vier feste Zutaten seines „Social-Media-Cocktails“:

  • Authentizität: Soziale Kanäle sind persönliche Kanäle, keine Masken.
  • Infotainment: Fachliche Tipps, verpackt in unterhaltsamen Geschichten, bekommen Reichweite und bleiben in Erinnerung.
  • Konstanz: Social Media ist kein Sprint, sondern ein Marathon.
  • Dialog: Wer Fans nur bespielt statt mit ihnen zu sprechen, verfehlt aus seiner Sicht das eigentliche Ziel.

Die größten Denkfehler im Social Media Marketing

Der Klassiker: „Social Media macht unser Praktikant“, ein strategisches Vakuum, das sich seit über 15 Jahren hält. Ein zweiter Irrtum betrifft Facebook: Viele Unternehmerinnen und Unternehmer halten die Plattform für tot, weil ihnen das die eigenen Kinder so vermitteln. In der Zielgruppe 40 plus sieht die Realität nach seiner Erfahrung ganz anders aus, dort ist Facebook weiterhin führend. Wie systematisches Social Selling im B2B-Umfeld heute funktioniert, zeigt ergänzend der Beitrag zum LinkedIn-Marketing für B2B-Dienstleister.

Neu hinzugekommen ist aus seiner Sicht die Flut generischer Inhalte aus KI-Content-Maschinen: schneller produziert, aber unter dem Strich austauschbarer.

KI im Marketing: Assistent statt Ersatz

Für die Produktion von Bild- und Videomaterial, Captions, Übersetzungen und erste Strategie-Entwürfe hält Joe Rankl KI für ein starkes Werkzeug. Vollautomatisierte Agenten, die Beiträge planen, erstellen und veröffentlichen, sieht er dagegen kritisch, sobald dabei jegliche Kontrolle verloren geht.

„Generell gilt die Regel: Social Media von einer KI produziert ist besser als von Menschen, die wenig Ahnung von Social Media haben. Ein guter Social Media Manager produziert bessere Inhalte als KI. Die besten Ergebnisse erzielt ein guter Social Media Manager, der mit KI als Assistenten arbeitet.“

Wenn Joe Rankl heute noch einmal anfangen würde

Sein Geschäft wäre heute vermutlich nicht mehr Social Media, sondern KI-Expertise. Sollte er dennoch bei Social Media bleiben, würde er sich keinen Kopf um Sichtbarkeit machen und nicht jedem Trend hinterherlaufen. Stattdessen würde er nur Inhalte produzieren, die zu ihm passen und Freude machen, denn nur so lässt sich seiner Erfahrung nach auch bei anderen ein Funke überspringen.

Einordnung

Die Grundprinzipien im Social Media Marketing haben sich in fast zwei Jahrzehnten kaum verändert: Authentizität, Konstanz und echter Dialog schlagen weiterhin jeden kurzfristigen Trend, KI hin oder her.

Über Joe Rankl

Joe Rankl ist Social-Media-Berater mit Standorten in München und Freilassing. Er begleitet seit den frühen Jahren von Facebook Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen aus sehr unterschiedlichen Feldern, von Ministerien über Bürgermeister-Wahlkämpfe bis zu Tourismusunternehmen in Tansania.

FAQ

Was zeichnet laut Joe Rankl einen erfahrenen Social Media Pionier aus?

Vor allem die Fähigkeit, Trends früh zu erkennen, aber die eigene Strategie an die jeweilige Branche anzupassen, statt Taktiken unreflektiert zu übertragen.

Ist Facebook noch relevant für Unternehmen?

Ja, insbesondere für die Zielgruppe ab 40 Jahren. Dort ist die Plattform nach Joe Rankls Erfahrung weiterhin führend, auch wenn viele sie wegen der Einschätzung ihrer eigenen Kinder für tot halten.

Wird KI Social Media Manager ersetzen?

Nach Einschätzung von Joe Rankl nicht. KI liefert die besten Ergebnisse als Assistenz für erfahrene Social Media Manager, nicht als vollautomatisierter Ersatz ohne menschliche Kontrolle.

Welchen Fehler machen Unternehmen im Social Media Marketing am häufigsten?

Sie überlassen die Aufgabe ohne Strategie einem Praktikanten oder einer Praktikantin, statt sie als langfristiges Aufgabenfeld zu behandeln.

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