Recruitingfilme gehören heute zu den wirkungsvollsten Instrumenten, um qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen. Im Interview erklärt Unternehmensfilmer Matthias Gottwald, worauf es dabei wirklich ankommt. Doch wann überzeugt ein Film wirklich – und worauf kommt es bei Image-, Recruiting- oder Eventfilmen an? Darüber sprechen wir mit Matthias Gottwald, Unternehmensfilmer und Fotograf aus Berlin. Im Interview erklärt er, warum Authentizität wichtiger ist als Hochglanz, welche Rolle persönliches Netzwerken spielt und welche Fehler Unternehmen bei Videoprojekten häufig machen.
Was zeichnet Recruitingfilme mit Wirkung aus? Was unterscheidet einen wirklich guten Recruitingfilm von einem, der einfach nur schön aussieht?
Ein Recruitingfilm muss nicht möglichst viele Bewerber anziehen, sondern die richtigen. Genau deshalb reicht ein optisch ansprechender Film allein nicht aus.
Entscheidend ist, dass das Unternehmen authentisch gezeigt wird. Bewerber sollten einen realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag, den Werten und den Menschen im Unternehmen bekommen. Wenn ein Film Erwartungen weckt, die sich später nicht bestätigen, führt das häufig dazu, dass neue Mitarbeitende schon nach kurzer Zeit wieder gehen.
Ein guter Recruitingfilm zeigt deshalb ehrlich, wie ein Unternehmen arbeitet. Wenn der Film zusätzlich unterhaltsam ist und Spaß macht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich passende Kandidatinnen und Kandidaten tatsächlich bewerben.
Persönliches Netzwerken spielt in Ihrem Unternehmen eine große Rolle. Welche Bedeutung hat das für Ihre Kundengewinnung?
Persönliches Netzwerken ist für mich ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Rund 40 bis 45 Prozent meines Jahresumsatzes entstehen über persönliche Kontakte und Empfehlungen.
Dabei verstehe ich Netzwerken nicht als Verkaufsgespräch. Für mich bedeutet es zunächst einmal zuzuhören und zu überlegen, welche Herausforderungen mein Gegenüber gerade hat und wen ich möglicherweise miteinander verbinden kann.
Die eigentlichen Aufträge entstehen anschließend häufig durch Empfehlungen. Genau das beschreibt auch das bekannte BNI-Motto:
„Wer gibt, gewinnt.“
Dieses Prinzip funktioniert für mich seit vielen Jahren sehr gut.
Wie hat sich Video als Marketinginstrument für Unternehmen in den vergangenen Jahren verändert?
Video ist deutlich schneller geworden.
Früher stand bei Unternehmensfilmen vor allem die perfekte technische Qualität im Mittelpunkt. Heute erwarten viele Menschen authentische Inhalte, die schnell produziert und veröffentlicht werden – insbesondere auf Social Media.
Smartphones haben das Filmen demokratisiert. Dadurch können Unternehmen ihren Alltag selbst dokumentieren und regelmäßig Inhalte veröffentlichen. Für Social Media ist das oft genau der richtige Weg.
Bei einem klassischen Imagefilm gelten jedoch andere Anforderungen. Hier lohnt sich professionelle Unterstützung weiterhin, weil ein Imagefilm häufig über viele Jahre hinweg eingesetzt wird und das Unternehmen repräsentiert.
Am Ende ist es wie so oft: Die richtige Mischung macht den Unterschied.
Welchen Fehler beobachten Sie am häufigsten, wenn Unternehmen einen Imagefilm planen?
Viele Unternehmen möchten möglichst alles in einem einzigen Film erzählen.
Ich erinnere mich an einen Anruf:
„Herr Gottwald, wir hätten gern einen ganz kurzen Imagefilm – ungefähr 17 bis 19 Minuten.“
Das zeigt ganz gut das Missverständnis.
Ein Imagefilm soll nicht sämtliche Unternehmensinformationen transportieren. Viel wichtiger sind Sympathie, Nahbarkeit und Emotionen. Deshalb spreche ich gerne von einem „Ein-Minüter“.
Gemeinsam legen wir zunächst wenige Kernaussagen fest. Anschließend entstehen passende Interviewszenen und authentische Einblicke in den Arbeitsalltag. Im Schnitt entwickelt sich daraus eine Geschichte, die Zuschauer emotional erreicht.
Von klassischen Sprechertexten halte ich heute übrigens deutlich weniger als früher. Häufig wirken sie austauschbar und nehmen einem Unternehmen genau das, was es eigentlich zeigen möchte: Persönlichkeit.
Wie viel Planung steckt hinter einem guten Eventfilm?
Natürlich braucht auch ein Eventfilm Vorbereitung.
Gleichzeitig entstehen viele der stärksten Momente erst während der Veranstaltung. Genau diese spontanen Begegnungen, Emotionen und kleinen Szenen machen einen guten Eventfilm aus.
Die eigentliche Geschichte entsteht deshalb oft erst im Schnitt. Dort werden die passenden Szenen ausgewählt und durch Musik, Rhythmus und Dramaturgie zu einem stimmigen Gesamtbild verbunden.
Gibt es im Unternehmen Corporate-Design-Richtlinien, sollten selbstverständlich auch Logo, Farben und Gestaltung konsequent berücksichtigt werden.
Welchen Rat geben Sie Unternehmen, die erstmals in professionelle Videos investieren möchten?
Mein wichtigster Rat lautet:
Erst reden, dann filmen.
Nicht selten kam es vor, dass z. B. nach einem Imagefilm gefragt wurde, aber ein Recruitingfilm oder eine Videointerviewreihe mit 5 oder 20 oder 52 Kurzvideos (zum wohlgemerkt fast selben Preis wie ein Imagefilm, dann aber mit Futter für Social Media für ein ganzes Jahr) die im Einzelfall viel bessere Lösung war.
Deshalb sollte am Anfang nicht die Kamera stehen, sondern die Frage:
Welches Ziel soll das Video eigentlich erreichen?
Blick in die Zukunft
Welche Entwicklung wird Unternehmensfilme in den nächsten Jahren am stärksten verändern?
Ich bin überzeugt, dass Authentizität weiter an Bedeutung gewinnen wird. Technisch hochwertige Videos lassen sich heute immer einfacher produzieren – auch mit KI-Unterstützung. Der eigentliche Unterschied entsteht jedoch nicht durch Technik, sondern durch echte Menschen, glaubwürdige Geschichten und eine klare Botschaft.
Unternehmen, die ihre Kultur ehrlich zeigen und ihre Mitarbeitenden authentisch einbinden, werden langfristig erfolgreicher kommunizieren als diejenigen, die ausschließlich auf Hochglanz setzen.
Über den Interviewpartner
Matthias Gottwald ist Unternehmensfilmer und Fotograf aus Berlin. Seit vielen Jahren produziert er Imagefilme, Recruitingfilme, Eventfilme und Businessfotografie für Unternehmen aus Industrie, Handwerk, Dienstleistung und Gesundheitswesen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf authentischer Unternehmenskommunikation und der Verbindung von strategischer Planung mit emotionalem Storytelling.









