LinkedIn als Vertriebskanal aufzubauen gelingt nach Einschätzung von Kilian Leidenfrost nur dann, wenn Unternehmen aufhören, die Plattform wie ein klassisches Social-Media-Werkzeug zu behandeln. Im Gespräch mit der Redaktion von kundengewinnungheute.de erklärt der Gründer von Leidenfrost Advisory, warum Reichweite und Follower für die Kundengewinnung im technischen B2B-Umfeld kaum eine Rolle spielen, welche Fehler kleinere Dienstleister typischerweise machen, bevor sie zu ihm kommen, und wo für ihn die Grenze zwischen sinnvoller Automatisierung und Vertrauensverlust verläuft.
Über den Interviewpartner
Kilian Leidenfrost ist Gründer und Geschäftsführer der Leidenfrost Advisory. Mit seinem selbst entwickelten Leidenfrost NeuroSales System begleitet er Selbstständige, Dienstleister und kleine sowie mittlere B2B-Unternehmen dabei, LinkedIn von einer reinen Sichtbarkeitsplattform in einen planbaren Vertriebskanal zu verwandeln. Nach eigenen Angaben hat er über 80 Kundenprojekte betreut und dabei mehr als 20000 Leads generiert, branchenübergreifend von der IT über die Produktion bis hin zum Inkassowesen und dem Gesundheitssektor.
Das Interview
Im Gespräch geht Kilian Leidenfrost unter anderem auf folgende Themen ein.
- Der Unterschied zwischen LinkedIn als Vertriebskanal und klassischem Social Media Marketing
- Warum Reichweite und Follower der falsche Erfolgsmaßstab sind
- Typische Fehler technischer B2B-Dienstleister vor der Zusammenarbeit
- Der Weg vom Erstkontakt bis zum Abschluss über LinkedIn
- Die Grenze zwischen sinnvoller Automatisierung und Vertrauensverlust
- Konkrete Empfehlungen für Geschäftsführer, die LinkedIn bisher nur nebenbei nutzen
Du hilfst Softwareunternehmen und technischen B2B-Dienstleistern dabei, LinkedIn als planbaren Vertriebskanal aufzubauen. Was unterscheidet das von klassischem Social Media Marketing?
Viele Unternehmen setzen LinkedIn noch immer mit Social Media gleich und denken vor allem an Reichweite, Likes und regelmäßige Beiträge. Für Kilian Leidenfrost ist LinkedIn in erster Linie ein Vertriebskanal. Das Ziel sei nicht, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern regelmäßig mit den richtigen Entscheidern ins Gespräch zu kommen. Deshalb beginne seine Arbeit auch nicht mit Content, sondern mit der Vertriebsstrategie, also der Frage, wer der ideale Kunde ist, welche Probleme ihn beschäftigen und wie daraus ein strukturierter Vertriebsprozess entsteht. Content habe dabei eine klare Aufgabe, nämlich Vertrauen aufzubauen und den Einstieg in Gespräche zu erleichtern. Am Ende gewinne auf LinkedIn selten das Unternehmen mit der größten Reichweite, sondern das Unternehmen mit einem klaren Prozess, das mit den richtigen Menschen spricht und daraus planbar Kunden gewinnt. Für technische B2B-Dienstleister mit erklärungsbedürftigen Leistungen sei das entscheidend, da neue Kunden selten durch einen einzelnen Beitrag entstehen, sondern durch viele gut aufeinander abgestimmte Kontaktpunkte.
Viele Geschäftsführer setzen auf Reichweite und Follower. Warum ist das aus Deiner Sicht der falsche Hebel?
Reichweite und Follower seien nicht grundsätzlich schlecht, problematisch werde es erst, wenn Unternehmen diese Zahlen mit Vertriebserfolg verwechseln. Zehntausend Impressionen brächten wenig, wenn der Beitrag hauptsächlich Menschen erreicht, die niemals Kunde werden, während ein Beitrag mit deutlich weniger Reichweite wertvoll sein kann, wenn daraus drei Gespräche mit passenden Entscheidern entstehen. Entscheidend sei deshalb nicht die größte Reichweite, sondern die höchste Relevanz innerhalb der Zielgruppe. Gerade kleinere Softwareunternehmen und technische B2B-Dienstleister bräuchten selten tausende neue Follower, sondern eine überschaubare Anzahl passender Unternehmen, ein relevantes Angebot und einen Prozess, der aus Aufmerksamkeit schrittweise Vertrauen und Gespräche entwickelt. Viele Geschäftsführer betrachten LinkedIn trotzdem wie einen klassischen Marketingkanal, veröffentlichen Beiträge und hoffen, dass daraus irgendwann Anfragen entstehen. Kilian Leidenfrost nennt das Hoffnungsmarketing, bei dem Kundengewinnung vom Algorithmus und vom Zufall abhängig bleibt. Die entscheidenden Kennzahlen lägen für ihn näher am Umsatz, etwa Profilbesucher, gestartete Gespräche, qualifizierte Termine und daraus gewonnene Kunden. Reichweite könne diesen Prozess unterstützen, sei jedoch nur ein Frühindikator.
Was sind die typischen Fehler, die kleinere technische Dienstleister auf LinkedIn machen, bevor sie zu Dir kommen?
Die meisten Fehler hätten überraschenderweise nichts mit LinkedIn selbst zu tun, sondern beginnen deutlich früher. Viele technische Dienstleister verkaufen hochkomplexe Leistungen und glauben deshalb, sie müssten auf LinkedIn möglichst viel Fachwissen zeigen. Das Ergebnis seien Beiträge voller technischer Details, die zwar Kollegen beeindrucken, potenzielle Kunden aber selten zum Handeln bewegen. Der zweite Fehler sei fehlende Positionierung, wenn Unternehmen für möglichst viele Branchen interessant sein wollen und dadurch sehr allgemein kommunizieren, sodass sich am Ende niemand wirklich angesprochen fühlt. Der dritte Fehler sei, dass Marketing und Vertrieb komplett voneinander getrennt werden, sodass Beiträge veröffentlicht werden, ohne dass jemand anschließend den aktiven Vertriebsprozess übernimmt. Der vierte Fehler sei, Erfolg an Likes und Reichweite zu messen, statt an relevanten Gesprächen, vereinbarten Terminen, geschriebenen Angeboten und gewonnenen Kunden. Aus seiner Erfahrung brauche es für erfolgreichen LinkedIn-Vertrieb keine viralen Beiträge, sondern ein klares Angebot, eine spitze Zielgruppe und einen strukturierten Vertriebsprozess.
Wie sieht ein sauberer Vertriebsprozess vom Erstkontakt bis zum Abschluss über LinkedIn konkret aus?
Aus Sicht von Kilian Leidenfrost beginnt LinkedIn-Vertrieb nicht mit einer Direktnachricht, sondern mit einem klaren Angebot und einer präzisen Positionierung. Wenn nicht innerhalb weniger Sekunden verständlich wird, wem geholfen und welches Problem gelöst wird, funktioniere auch der beste Vertriebsprozess später nicht. Erst danach gehe es um Sichtbarkeit, mit relevantem Content werde Vertrauen aufgebaut, während parallel passende Entscheider identifiziert und persönliche Gespräche gestartet werden, nicht mit einem Pitch, sondern mit echtem Interesse an der aktuellen Situation. Im nächsten Schritt werde geklärt, ob überhaupt Bedarf besteht, also ob Problem, Zeitpunkt und Zusammenarbeit passen, bevor ein Gespräch vereinbart wird. Im Gespräch selbst werde zunächst die Ausgangssituation analysiert und mögliche Hebel, Chancen und Potenziale aufgezeigt. Fühlt sich der Kunde in diesem Discoverycall gut abgeholt, sei die Vereinbarung eines Zweittermins der logische nächste Schritt, in dem gemeinsam das gewünschte Ziel definiert und geprüft wird, ob das Angebot wirklich passt. Nach dem Abschluss ende der Prozess nicht, da die besten Kunden häufig über Empfehlungen, Folgeprojekte und langfristige Zusammenarbeit entstehen, weshalb auch eine strukturierte Nachbetreuung dazugehöre.
Du sprichst offen darüber, dass Du bei der Automatisierung von echten Kundengesprächen vorsichtig bist. Wo ziehst Du persönlich die Grenze zwischen sinnvoller Automatisierung und Vertrauensverlust?
Kilian Leidenfrost bezeichnet sich als großen Fan von Automatisierung, solange sie Menschen Zeit spart und nicht Beziehungen ersetzt. Automatisiert werde deshalb alles, was standardisierbar ist, etwa Recherche, Leadlisten, Erstkontakte, Follow-ups oder interne Prozesse, wodurch Unternehmen jeden Monat viele Stunden zurückgewinnen. Die Grenze ziehe er dort, wo Vertrauen entsteht. Sobald ein Interessent antwortet und ein persönliches Gespräch beginnt, solle wieder ein Mensch übernehmen, da gute Vertriebsgespräche von Neugier, Empathie und der Fähigkeit leben, zwischen den Zeilen zu hören, was Automatisierung heute nicht zuverlässig leisten könne. Er beobachte, dass viele Unternehmen versuchen, den kompletten Vertriebsprozess mit künstlicher Intelligenz abzubilden, was kurzfristig effizient wirke, langfristig jedoch oft zu austauschbarer Kommunikation und sinkendem Vertrauen führe. Gerade im technischen B2B-Umfeld mit fünf- oder sechsstelligen Investitionen kauften Menschen nicht wegen perfekt formulierter Nachrichten, sondern weil sie Vertrauen in den Ansprechpartner und seine Kompetenz entwickeln. Seine Regel laute deshalb, Prozesse zu automatisieren, aber niemals Beziehungen.
Was würdest Du einem Geschäftsführer raten, der LinkedIn bisher nur nebenbei nutzt und jetzt systematisch Kunden gewinnen möchte?
Der größte Fehler wäre laut Kilian Leidenfrost, sofort mit mehr Content oder mehr Direktnachrichten zu starten. Zuerst brauche es Klarheit, konkret die Beantwortung der Fragen, wer der ideale Kunde ist, welches konkrete Problem für ihn gelöst wird und warum er gerade mit diesem Unternehmen sprechen sollte. Erst wenn das sauber definiert ist, lohne es sich, LinkedIn systematisch aufzubauen, etwa mit einem klar positionierten Profil, regelmäßigem Content und einer festen Vertriebsroutine für neue Kontakte, Gespräche und Follow-ups. Entscheidend sei dabei Verbindlichkeit, feste Zeitfenster, klare Verantwortlichkeiten und messbare Kennzahlen, statt einmal pro Woche spontan zu posten. Sein Rat laute, kleiner zu starten, aber konsequent zu bleiben, mit lieber drei relevanten Beiträgen pro Woche, täglich einigen gezielten Kontakten und einem sauber geführten Vertriebsprozess, statt möglichst viel Aktivität ohne Struktur. Gemessen werden sollten nicht Likes und Reichweite, sondern Gespräche, Termine, Angebote und Abschlüsse, denn erst dadurch werde ein nebenbei genutztes Netzwerk zu einem planbaren Vertriebskanal.
Zentrale Erkenntnisse aus dem Interview
Aus dem Gespräch mit Kilian Leidenfrost lassen sich vier Kernaussagen herausarbeiten, die für Geschäftsführer im technischen B2B-Umfeld unmittelbar handlungsleitend sind.
- Vertrieb vor Content: LinkedIn-Erfolg beginnt nicht mit Beiträgen, sondern mit einer klaren Vertriebsstrategie, die Zielgruppe, Problem und Angebot definiert.
- Relevanz schlägt Reichweite: Nicht die größte Zahl an Impressionen entscheidet, sondern wie viele Gespräche mit passenden Entscheidern daraus entstehen.
- Struktur schlägt Zufall: Erfolgreiche Kundengewinnung über LinkedIn folgt einem wiederholbaren Prozess von Positionierung über Sichtbarkeit und Bedarfsklärung bis zur Nachbetreuung.
- Automatisierung hat eine klare Grenze: Standardisierbare Aufgaben lassen sich automatisieren, sobald jedoch ein persönliches Gespräch beginnt, sollte ein Mensch übernehmen.
Automatisiere Prozesse, aber niemals Beziehungen, so bringt Kilian Leidenfrost seine Haltung zu diesem Thema auf den Punkt.
Kontext
Die im Interview beschriebene Entwicklung deckt sich mit einer allgemeinen Tendenz im B2B-Vertrieb, dass klassische Kaltakquise per Telefon zunehmend an Wirkung verliert, während Netzwerke wie LinkedIn für Entscheider zu einem zentralen Ort für Recherche und ersten Kontakt geworden sind. Gerade technische Dienstleister und Softwareunternehmen stehen dabei vor der Herausforderung, komplexe Leistungen so zu kommunizieren, dass sie für fachfremde Entscheider verständlich und relevant wirken, ohne dabei an fachlicher Tiefe zu verlieren.
Gleichzeitig wächst der Druck, mit begrenzten Ressourcen mehr Kontaktpunkte zu schaffen, was viele Unternehmen zur Automatisierung von Recherche, Erstansprache und Terminvereinbarung führt. Die im Interview gezogene Grenze, wonach standardisierbare Schritte automatisiert werden können, während der eigentliche Vertrauensaufbau im persönlichen Gespräch bleibt, spiegelt eine Diskussion wider, die derzeit in vielen B2B-Vertriebsorganisationen geführt wird.
Was Geschäftsführer aus dem Interview mitnehmen sollten
Für Geschäftsführer kleinerer und mittlerer technischer B2B-Unternehmen liegt die zentrale Botschaft des Interviews darin, LinkedIn nicht als zusätzliche Marketingaufgabe zu behandeln, sondern als Teil des Vertriebssystems zu begreifen. Wer zuerst Positionierung und Zielgruppe klärt, bevor er in Content oder Ansprache investiert, vermeidet nach Einschätzung von Kilian Leidenfrost die häufigsten Fehler, die er bei neuen Kunden vor Beginn der Zusammenarbeit beobachtet.
Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass Automatisierung und persönlicher Kontakt sich nicht ausschließen, sondern sich ergänzen sollten. Wer standardisierbare Aufgaben konsequent automatisiert, gewinnt Zeit für die Gespräche, in denen tatsächlich Vertrauen und damit Geschäft entsteht.
Über LEIDENFROST ADVISORY
Die Leidenfrost Advisory mit Sitz in Untermixnitz unterstützt Selbstständige, Dienstleister und kleine sowie mittlere B2B-Unternehmen dabei, LinkedIn systematisch als Vertriebskanal zu nutzen. Im Zentrum steht das Leidenfrost NeuroSales System: eine persönliche Begleitung, bei der Kilian Leidenfrost gemeinsam mit seinen Kunden Schritt für Schritt einen funktionierenden Vertriebsprozess über LinkedIn aufbaut. Von Angebot und Positionierung über Profil und Inhalte bis hin zu Kundengesprächen und erfolgreichen Verkaufsabschlüssen. Ziel ist es, aus LinkedIn einen planbaren Vertriebskanal zu machen.
FAQ
Für wen eignet sich LinkedIn als Vertriebskanal besonders?
Nach Einschätzung von Kilian Leidenfrost profitieren vor allem Selbstständige, Dienstleister und kleine bis mittlere B2B-Unternehmen mit erklärungsbedürftigen Leistungen, die gezielt mit Entscheidern ins Gespräch kommen wollen, statt breite Reichweite aufzubauen.
Wie viel Zeit sollte für LinkedIn als Vertriebskanal eingeplant werden?
Laut Kilian Leidenfrost reicht mit einer klaren Struktur und festen Routinen häufig rund eine Stunde pro Tag aus, um Profil, Content und Vertriebsansprache professionell zu bespielen.
Ab wann zeigen sich erste Ergebnisse?
Erste Signale wie mehr Profilbesuche oder gezielte Kontaktanfragen zeigen sich häufig innerhalb weniger Wochen, während qualifizierte Anfragen und Kundengespräche laut Kilian Leidenfrost meist nach drei bis vier Monaten spürbar zunehmen, wenn Profil, Content und Kommunikation zusammenspielen.
Welche Fehler sollten Unternehmen vermeiden, die bereits auf LinkedIn aktiv sind?
Der häufigste Fehler ist laut Interview, Erfolg an Likes und Reichweite statt an Gesprächen, Terminen und Abschlüssen zu messen, sowie Marketing und Vertrieb organisatorisch komplett voneinander zu trennen.
Kann der beschriebene Ansatz auch in Eigenregie umgesetzt werden?
Grundsätzlich ja, sofern ausreichend Zeit, Disziplin und Geduld vorhanden sind, eine externe Begleitung kann jedoch helfen, teure Umwege und Leerläufe zu vermeiden.
Ersetzt Automatisierung im beschriebenen System den persönlichen Vertriebskontakt?
Nein. Automatisiert werden ausschließlich standardisierbare Schritte wie Recherche oder Erstkontakt, sobald ein persönliches Gespräch beginnt, übernimmt nach dem im Interview beschriebenen Ansatz bewusst wieder ein Mensch.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die redaktionellen Ansichten der Redaktion von kundengewinnungheute.de sowie die persönlichen Einschätzungen des Interviewpartners wieder. Er stellt keine individuelle Vertriebs- oder Unternehmensberatung dar und ersetzt kein persönliches Beratungsgespräch. Konkrete Maßnahmen sollten stets an die jeweilige Unternehmenssituation angepasst werden.
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