Experten-Positionierung entscheidet künftig mehr über Sichtbarkeit als reine Reichweite, denn Wissen ist seit generativer KI in Sekunden verfügbar. Gerd und Jana Kulhavy, Geschäftsführer der Speakers Excellence Deutschland Holding GmbH, vermitteln seit 25 Jahren Experten, Unternehmerpersönlichkeiten und Speaker an Unternehmen und Veranstalter und ordnen im Interview ein, was einen Experten 2030 noch auszeichnet.
Woran sich ein wirklich guter Experte erkennen lässt
Für Gerd und Jana Kulhavy ist ein guter Experte jemand, der ein Thema nicht nur referiert, sondern durchdrungen, erlebt und in der Praxis bewiesen hat. Er kennt nicht nur die Erfolgsmodelle, sondern auch die Widerstände und Fehlentscheidungen auf dem Weg dorthin, und genau diese Erfahrung verleiht seinen Aussagen Substanz.
Reichweite und eine starke Personenmarke sind für die beiden dabei nur die halbe Miete: „Reichweite kann Aufmerksamkeit erzeugen. Eine starke Personenmarke kann Vertrauen vorbereiten. Beides ist wichtig, aber beides ist noch kein Beweis für Expertise.“ Entscheidend sei, ob jemand Verantwortung getragen hat, Ergebnisse nachweisen kann und eigene Gedanken entwickelt, statt nur Trends zu wiederholen.
Weil der Markt heute deutlich mehr Speaker, Themen und Formate bietet als noch vor einigen Jahren, wird Orientierung für Unternehmen wichtiger. Was sich dabei durch kein Marketing ersetzen lässt, ist Glaubwürdigkeit: Das Publikum spürt schnell, ob jemand eine Haltung vertritt oder nur eine Rolle spielt. In der Fachliteratur wird diese Rolle oft als Thought Leadership beschrieben, also als Sichtbarkeit, die aus tatsächlicher fachlicher Führungsrolle entsteht statt aus reiner Bekanntheit.
Experten-Positionierung statt reinem Wissen: Wofür Unternehmen künftig zahlen
Dass generative KI Präsentationen, Fachartikel und sogar ganze Vorträge unterstützen kann, verschiebt aus Sicht der Kulhavys, wofür Unternehmen künftig überhaupt noch zahlen. Ihre Antwort bringen sie auf eine knappe Formel:
„Wenn Antworten billig werden, wird Urteilskraft teuer.“
KI kann Antworten in Sekunden formulieren, aber nicht beurteilen, welche Antwort in einer konkreten Unternehmenssituation die richtige ist. Wissen ist nahezu unbegrenzt verfügbar, viele Unternehmen bräuchten aber vor allem eine fundierte Antwort auf die Frage, was eine Entwicklung konkret für sie bedeutet. Genau diese Einordnung ist der Kern echter Experten-Positionierung, und sie lässt sich nicht kopieren, weil sie auf gelebter Erfahrung beruht.
Hinzu komme etwas, das KI allein nicht erzeugen kann: die Energie eines gemeinsamen Moments. Die Kulhavys unterscheiden dabei drei Ebenen: Information, die durch KI an Wert verliert, weil sie jederzeit verfügbar ist; Inspiration, die weiter wichtig bleibt, aber nicht mehr ausreicht; und Transformation, also die Frage, was Menschen nach einem Vortrag anders denken, entscheiden oder tun.
Echte Expertise von gutem Marketing unterscheiden
Weil sich ein professioneller Auftritt heute deutlich schneller aufbauen lässt als früher, wird die Unterscheidung zwischen Substanz und Fassade für Unternehmen anspruchsvoller. Das betrifft nicht nur Speaker: Auch beim Thema Positionierung im Vertrieb zeigt sich, wie stark sich Substanz und reine Marketingfassade inzwischen ähneln können. Die Kulhavys empfehlen drei Prüffragen für die Auswahl eines Speakers.
- Woher kommt die Expertise: aus eigener unternehmerischer Verantwortung, wissenschaftlicher Arbeit, beruflicher Praxis oder einer außergewöhnlichen Lebensleistung, oder überwiegend aus aufbereitetem Wissen anderer?
- Passt der Speaker wirklich zum Ziel der Veranstaltung, zur Zielgruppe, zur Unternehmenskultur und zur gewünschten Wirkung, statt nur ein bekannter Name zu sein?
- Halten Referenzen, authentische Videos und Bewertungen einer genaueren Prüfung stand: Trägt die Person auch einen großen Saal, hält sie kritischen Fragen stand, und kann sie Inhalte auf den jeweiligen Auftrag zuschneiden?
Auf dem Expert Marketplace von Speakers Excellence verbinden Profile, Videos, Referenzen, geprüfte Bewertungen, Themen, Honorare und Verfügbarkeiten digitale Transparenz mit persönlicher Marktkenntnis. Die Technologie verbessert dabei den Auswahlprozess, die endgültige Qualitätsentscheidung bleibt aber laut den Kulhavys Erfahrungssache: „Nicht der sichtbarste Speaker ist automatisch der beste, sondern derjenige, der für dieses Unternehmen, diese Zielgruppe und dieses Ziel die größte Wirkung entfalten kann.“
Was einen Vortrag wirklich verändert
Begeisterung allein ist für die Kulhavys noch keine Veränderung, weil ein Vortrag emotional und rhetorisch brillant sein kann und trotzdem am nächsten Morgen vergessen wird. Nachhaltige Wirkung entsteht erst, wenn das Publikum sich selbst und die eigene Situation in den Aussagen wiedererkennt und am Ende sagen kann, welchen ersten Schritt es gehen kann.
Wirkungsvolle Speaker verbinden dafür eine starke Geschichte, eine klare Botschaft und konkrete Handlungsoptionen. Deshalb verändere sich auch das Veranstaltungsformat: Eine Keynote wird zunehmend durch Workshops, persönliche Einbindung oder Mentoring ergänzt, während kleinere Formate mit echter Interaktion an Bedeutung gewinnen.
Ob nachhaltige Wirkung gelingt, lässt sich laut den Kulhavys schon vor der Buchung erkennen: an der Qualität des Briefings, das ein Speaker zu Zielen, Herausforderungen und Zielgruppe stellt, an seiner Bereitschaft, Inhalte anzupassen, und an bestehenden Rückmeldungen darüber, was ein Vortrag im Unternehmen ausgelöst hat.
Fähigkeiten, die Experten-Positionierung 2030 braucht
Je perfekter künstlich erzeugte Inhalte werden, desto wertvoller wird laut den Kulhavys das glaubwürdige Original. Das bedeute nicht, auf Technologie zu verzichten. Speaker müssten KI verstehen und sinnvoll einsetzen, entscheidend sei aber, dass sie die Persönlichkeit unterstützt und nicht ersetzt. Fünf Fähigkeiten werden aus ihrer Sicht wichtiger:
- Komplexität reduzieren, ohne Themen unzulässig zu vereinfachen
- Erfahrungen in relevante Geschichten übersetzen
- eine klare, nachvollziehbare Haltung vertreten
- echte Interaktion mit dem Publikum ermöglichen
- aus einem Vortrag einen weiterführenden Lern- oder Veränderungsprozess entwickeln
Wer seine Experten-Positionierung auf diesen fünf Fähigkeiten aufbaut, bleibt aus Sicht der Kulhavys auch dann relevant, wenn formal perfekte KI-Inhalte zur Selbstverständlichkeit werden. Denn Menschen interessieren sich für Menschen, für ihre Entscheidungen, Zweifel, Fehler und Überzeugungen, nicht für Perfektion allein.
Blick auf 2030: Wer verliert, wer gewinnt
2030 werden es aus Sicht der Kulhavys Speaker schwer haben, die lediglich allgemein verfügbares Wissen präsentieren oder aktuelle Buzzwords neu verpacken, weil KI standardisierte Vorträge schon heute in Minuten konzipieren kann. Gewinnen werden dagegen Persönlichkeiten, die nachweisbare Expertise, eine unverwechselbare Haltung und die Fähigkeit verbinden, konkrete Wirkung zu erzeugen, und die Entwicklungen nicht nur kommentieren, sondern selbst gestalten.
Auch der Markt selbst werde differenzierter: Neben großen Namen setzen sich zunehmend hoch spezialisierte Experten durch, die ein konkretes Problem sehr präzise lösen können. Der Rat der Kulhavys für eine langfristige Experten-Positionierung lautet deshalb: Tiefe vor Tempo. Wer sich heute positioniert, sollte sich weniger fragen, womit sich kurzfristig Reichweite erzielen lässt, sondern für welche Frage er in fünf Jahren noch die glaubwürdigste Stimme sein will.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Experten-Positionierung im Zeitalter von KI?
Experten-Positionierung bedeutet, sich nicht über verfügbares Wissen zu profilieren, sondern über Urteilskraft, Erfahrung und eine klare Haltung, die eine KI nicht ersetzen kann. Entscheidend ist laut Gerd und Jana Kulhavy, ob jemand Verantwortung getragen und Ergebnisse tatsächlich erzielt hat.
Wofür bezahlen Unternehmen künftig noch einen Speaker?
Unternehmen zahlen laut Speakers Excellence künftig für Einordnung, Orientierung und Aktivierung statt für reine Information: für die Fähigkeit, Wissen auf die konkrete Situation eines Unternehmens zu übertragen und Menschen zu bewegen.
Woran erkennt man einen wirklich guten Speaker vor der Buchung?
An der Qualität seines Briefings zu Zielen, Zielgruppe und Unternehmenskultur, an belastbaren Referenzen und echten Rückmeldungen darüber, was ein Vortrag im Unternehmen ausgelöst hat, nicht nur an der Souveränität in einem kurzen Social-Media-Clip.
Welche Speaker werden bis 2030 weniger gefragt sein?
Speaker, die lediglich allgemein verfügbares Wissen präsentieren, austauschbare Motivation liefern oder aktuelle Buzzwords neu verpacken, weil KI solche Standardvorträge bereits heute in wenigen Minuten konzipieren kann.









